Wie der Ukraine Krieg Russlands Gesellschaft verändert
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Wie der Ukraine Krieg Russlands Gesellschaft verändert

Der Krieg gegen die Ukraine verändert nach übereinstimmenden Berichten von Militärangehörigen, Forschern und Journalisten die russische Armee und die Gesellschaft tiefgreifend. Der frühere Soldat Igor Schtschetko floh nach seiner Desertion aus Russland über Armenien in die EU. Er sagt, er habe sich geweigert, in den Krieg zu ziehen, und für eine Rückkehr nach Russland drohten ihm Haft oder der Einsatz an der Front.

Der Menschenrechtsaktivist Sergej Kriwenko schätzt, dass etwa 60.000 russische Soldaten ihre Einheiten verlassen oder den Kampfeinsatz verweigert haben. Mehr als 20.000 Strafverfahren wegen Fernbleibens, Fahnenflucht und Kampfverweigerung seien bereits eingeleitet worden. Neue Soldaten gewinnt die Armee seit 2023 vor allem über lukrative Verträge, zugleich kommen auch Gefangene, Migranten, Schuldner, Wehrpflichtige und Menschen aus wirtschaftlich schwachen Regionen zur Truppe.

Die Anthropologin Alexandra Archipowa beschreibt ein Klima der Gewalt innerhalb der Armee. Von Soldaten gesammelte Aussagen zeigen demnach ein System aus Kontrolle, Bestrafung und Überleben. Auch im Alltag der russischen Gesellschaft verändert der Krieg vieles: Familien von Mobilisierten profitieren finanziell, Kinder von Soldaten werden teils bevorzugt behandelt, zugleich erleben manche Heimkehrer und deren Angehörige Distanz und Ablehnung.

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