Ballett: Tanzen unter Druck an deutschen Theatern
Balletttänzer gehören an deutschen Theatern zu den am wenigsten geschützten Beschäftigten. Wegen befristeter Verträge können sie über viele Jahre hinweg jedes Jahr ihre Stelle verlieren, während der Kündigungsschutz erst nach 15 bis 19 Jahren greift. Über Nichtverlängerungen entscheidet oft die Intendanz aus künstlerischen Gründen.
Am Saarländischen Staatstheater stehen Vorwürfe sexueller Übergriffe im Raum. Bei Proben für ein Stück von Abou Lagraa im Februar 2023 soll es zu Berührungen, sexualisierten Kommentaren und vulgären Witzen gekommen sein. Rund 20 Vorfälle seien dokumentiert und an die Frauenbeauftragte sowie den damaligen Intendanten Bodo Busse weitergeleitet worden. Lagraa äußerte sich dazu auf Anfragen bisher nicht.
Tänzer und Fachleute sehen in der unsicheren Vertragssituation einen Grund dafür, dass Kritik selten offen geäußert wird. Zudem verdienen Tänzer oft weniger als andere Sparten. Thomas Schmidt fordert eine Reform des Vertragswerks NV Bühne und eine Schwächung des Intendantenmodells.
