80 Jahre Kielce: Der polnische Pogrom nach dem Holocaust
Vor 80 Jahren wurde die südpolnische Stadt Kielce zum Schauplatz des schwersten Pogroms in der polnischen Nachkriegsgeschichte. Am 4. Juli 1946 griff eine aufgebrachte Menge ein Haus in der Planty Straße 7 an, in dem jüdische Überlebende des Holocaust untergebracht waren. Ausgelöst wurde die Gewalt durch das Gerücht, Juden hätten ein christliches Kind getötet.
Soldaten, die für Ruhe sorgen sollten, schossen auf das Gebäude und drangen hinein, statt die Menschen zu schützen. Mehrere jüdische Bewohner wurden erschossen oder von der Menge zu Tode geprügelt. Insgesamt starben nach Angaben des Instituts des Nationalen Gedenkens 37 jüdische und drei katholische Polen, andere Stellen nennen mindestens 40 jüdische Opfer.
Der Pogrom löste eine Ausreisewelle aus. In den folgenden Monaten verließen rund 100000 Juden Polen. Polnische Historiker sehen die Gewalt als Teil einer breiteren Welle antisemitischer Ausschreitungen nach dem Krieg, die auch an anderen Orten auftrat.
