Maschinengewehre auf russischem Ziviltanker entdeckt
Estnische Grenzschützer haben in der Ostsee ein russisches LNG-Schiff entdeckt, das mit Maschinengewehren bewaffnet ist. Dies stellt eine Premiere dar und wird als Reaktion Russlands auf ukrainische Drohnenangriffe gewertet.
Die Entdeckung erfolgte Anfang Mai während eines Überwachungsfluges. Auf Bildern des russischen Flüssiggastankers Marshal Vasilevskiy sind zwei schwere Maschinengewehre zu sehen, die auf dem zivilen Schiff installiert sind. Zudem wurden Sandsäcke und Paletten als Schutzmaßnahmen gegen feindliches Feuer errichtet.
Recherchen von NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung hatten bereits zuvor auf bewaffnetes Personal auf russischen Schiffen in der Ostsee hingewiesen. Die Installation schwerer Waffen auf einem zivilen Schiff ist jedoch neu. Deutsche Marineoffiziere bestätigten, dass sie bisher keine derartige Bewaffnung auf russischen Zivil-Schiffen in der Ostsee wahrgenommen hatten.
Das Schiff, 2018 gebaut und im Besitz des russischen Energiekonzerns Gazprom, kann sowohl LNG transportieren als auch in Gas umwandeln. Es wird häufig zur Versorgung der strategisch wichtigen Exklave Kaliningrad eingesetzt und gilt als strategische Reserve für die Energieinfrastruktur dieser Region.
Die Fotos der Maschinengewehre wurden dem estnischen Medium Delfi zugespielt und stammen mutmaßlich aus der Nähe der estnischen Insel Hiiumaa. Eine Auswertung von Positionsdaten und Flugdatenbanken unterstützt diese Annahme.
Experten für maritime Sicherheit, wie Moritz Brake, sehen in den Bildern einen Hinweis darauf, dass Russland unter Druck steht. Die Bewaffnung könnte sich gegen mögliche Drohnenangriffe der Ukraine richten. Ein anderer russischer LNG-Tanker wurde Anfang März im Mittelmeer von Drohnen angegriffen und schwer beschädigt.
In der Ostsee gab es in den letzten Monaten ebenfalls Drohnenangriffe der Ukraine, die unter anderem Ölterminals und Energieanlagen trafen. Ein Angriff auf eine russische Korvette im Marinestützpunkt Kronstadt wird ebenfalls der Ukraine zugeschrieben.
Rechtlich bewegt sich die Bewaffnung eines zivilen Tankschiffes in einem Graubereich. Experten argumentieren, dass solche Schiffe in internationalen Gewässern und Küstenmeeren von Drittstaaten frei verkehren können, ohne gestoppt zu werden. Die Durchfahrt eines Handelsschiffes wird nicht automatisch als unfriedlich angesehen, nur weil es Waffen an Bord hat.
Die Marshal Vasilevskiy hat in den letzten zwölf Monaten ausschließlich zwischen Kaliningrad und St. Petersburg operiert und die Küstenmeere von Drittstaaten gemieden. Gazprom äußerte sich bislang nicht zu Fragen bezüglich der Bewaffnung des Schiffs.
