Anousch Muellers Lori: Die Lücke, in die die Wahrheit passt
Anousch Muellers Roman „Lori“ erzählt von einem Familiengeheimnis, das das Leben einer ganzen Familie prägt. Im Mittelpunkt steht Leni, die sich an ihre tote Schwester Lori erinnert, die von den Eltern verdrängt wird. Als Leni nach einer Beziehung und einem psychischen Zusammenbruch in das frühere Elternhaus zurückkehrt, beginnt die Suche nach dem lange Verschwiegenen.
Der Roman zeichnet eine Kindheit in einer Familie mit sechs Kindern nach, die in einem verlassenen Bahnhof in Thüringen aufwächst. Die Mutter ist oft abwesend, der Vater übernimmt viele Aufgaben. Zugleich wird sichtbar, wie sehr Schweigen, Verlust und ungeklärte Erlebnisse die Familie belasten.
Im Verlauf der Geschichte rücken auch die Biografien der Eltern in den Blick, die von Erfahrungen in der DDR geprägt sind. Mueller erzählt die Handlung in verschiedenen Zeitebenen und verbindet das Thema familiärer Traumata mit Fragen nach psychischer Gesundheit, Nähe und Zusammenhalt.
