Warum Diktaturen auf Underperformer setzen
Autoritäre Systeme setzen nach Erkenntnissen des Politikwissenschaftlers Christian Gläßel nicht nur auf ideologisch überzeugte Anhänger, sondern auch auf Menschen mit schwacher Karrierebilanz. Wer in leistungsorientierten Strukturen scheitert, könne sich in Diktaturen durch besonders harte Loyalität an Polizei oder Geheimpolizei nach oben arbeiten.
Gläßel und sein Co Autor Adam Scharpf stützen diese These unter anderem auf Daten aus Argentinien. Dort fanden sie in den Karriereverläufen von Militärangehörigen Hinweise darauf, dass erfolglose Offiziere über die Geheimpolizei wieder Aufstiegschancen erhielten. Während der Militärdiktatur seien dort viele sogenannte Underperformer gelandet, die im Auftrag des Regimes folterten, mordeten und entführten.
Auch Beispiele aus Nazi Deutschland spielen in der Forschung eine Rolle. Dazu zählt der frühere Opernsänger Waldemar Klingelhöfer, der in der SS bis zum Sturmbannführer aufstieg und im Einsatzgruppen Prozess 1948 in Nürnberg zum Tode verurteilt wurde. Nach Ansicht der Forscher nutzten Heinrich Himmler und Reinhard Heydrich Konkurrenzdruck gezielt aus, um Einsatzbereitschaft und Härte zu fördern.
