Warten auf den Notarzt: Bürokratie statt schneller Hilfe
Notfallsanitäter sind in Deutschland oft nur eingeschränkt handlungsfähig, weil die Regeln im Rettungsdienst je nach Region unterschiedlich sind. Der Ärztliche Leiter Rettungsdienst entscheidet vor Ort, welche Medikamente sie ohne Notarzt geben dürfen. Kritisiert wird, dass Patienten deshalb teils auf den Notarzt warten müssen, obwohl Sanitäter die nötigen Maßnahmen in ihrer Ausbildung lernen.
Der Fall von Dörthe Freitag aus der Nähe von Bielefeld zeigt das Problem aus Sicht der Rettungskräfte. Sie erlitt starke Krämpfe und Schmerzen, doch die Sanitäter hätten ihr wegen einer Allergie auf das mitgeführte Schmerzmittel nicht helfen können. Ein anderes Medikament durften sie nach eigener Auskunft nicht verabreichen, ohne einen Notarzt nachzufordern. Freitag fuhr schließlich selbst ins Krankenhaus, wo Gallensteine entfernt wurden.
Eine Studie der Ernst Abbe Hochschule in Jena kommt zu dem Ergebnis, dass in rund 95 Prozent von mehr als 50000 ausgewerteten Einsätzen die Maßnahmen auch von Notfallsanitätern hätten übernommen werden können. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat Reformen angekündigt, am Einfluss der Ärztlichen Leiter Rettungsdienst dürfte sich nach Einschätzung von Kritikern jedoch zunächst nichts ändern.
