Erntehelfer in Italien: Ein tödliches System der Ausbeutung
Im Süden Italiens sind vier ausländische Erntehelfer brutal getötet worden. Der Fall hat die Ausbeutung von Arbeitskräften in der italienischen Landwirtschaft erneut in den Fokus gerückt. In Amendolara in Kalabrien protestierten rund 3.000 Menschen nach der Tat.
Nach Angaben aus dem Umfeld der Ermittlungen gossen zwei Männer an einer Tankstelle Benzin in ein Auto, in dem fünf Erntehelfer saßen, und setzten es in Brand. Einer der Männer, Taj Amar aus Afghanistan, überlebte. Er habe mit seinen Kollegen Geld von ihren Vorstehern verlangt, der Streit sei eskaliert. Die Arbeiter hätten seit einem Monat keinen Lohn bekommen, aber täglich auf dem Feld gearbeitet.
Experten sehen darin ein Beispiel für das seit Jahrzehnten bestehende Caporalato System. Dabei vermitteln sogenannte Caporali Arbeitskräfte an Landwirte, verdienen selbst daran und beuten vor allem Migranten mit niedrigen Löhnen und schlechten Unterkünften aus. Trotz strengerer Gesetze seit 2016 werde das System weiter umgangen. Auch fehlende Kontrollen und der Preisdruck in der Agrar und Lebensmittelindustrie gelten als zentrale Gründe.
