Verfassungsschutzchef Sinan Selen im Interview: Wir müssen mit kaltem Herzen und kaltem Verstand das Lagebild anschauen
Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Sinan Selen, warnt nach dem Ausfall des Bahn Funknetzes vor vorschnellen Schuldzuweisungen. Bei hybriden Bedrohungen, Cyberoperationen, Sabotage und Manipulationen sei zwar Vorsicht geboten, zugleich müsse aber genau geprüft werden, ob tatsächlich ein Angriff vorliege oder nur eine Panne oder ein Systemfehler.
Selen betont, die Behörden arbeiteten inzwischen enger zusammen. Mit BKA, BSI und BND werde Information schneller geteilt, außerdem sei ein gemeinsames Abwehrzentrum Hybrid eingerichtet worden, in das auch die Wirtschaft einbezogen werden solle. Im Gespräch hebt er hervor, dass künstliche Intelligenz große Chancen biete, zugleich aber die Risiken deutlich steigen lasse.
KI beschleunige die Entwicklung auf beiden Seiten, bei Angreifern wie bei Verteidigern. Deshalb brauche es Systeme, die Bedrohungen und Zusammenhänge früh erkennen. Für Nachrichtendienste spiele auch die Herkunft von Technologien eine wichtige Rolle, weil sie nicht von einzelnen Produkten abhängig werden wollten. Gesetze müssten nach Ansicht von Selen technologieoffen bleiben, damit sie mit der schnellen Entwicklung Schritt halten können.
