Strukturkrise in Deutschland: Von der Politik im Stich gelassen
In der deutschen Industrie und besonders im Baugewerbe mehren sich die Warnsignale. Stephan Schmidt, Geschäftsführer eines Unternehmens in der größten Tongrube Deutschlands im Westerwald, berichtet von einem deutlichen Rückgang bei der abgebauten Menge. Der Hoch und Wohnungsbau liege am Boden, sagte er. Während das Geschäft in einigen europäischen Ländern noch laufe, belaste den Betrieb vor allem die Bürokratie.
Schmidt kritisiert lange Genehmigungsverfahren und hohe Auflagen. Für einen neuen Tagebau brauche sein Unternehmen mindestens zehn Jahre Vorlauf und zahlreiche Nachweise. Auch die Bundesregierung sieht er enttäuscht. Die Lage in der Branche spiegelt sich in den Zahlen wider: In Deutschland wurden 2025 nur 206600 Wohnungen fertiggestellt, so wenige wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht.
Auch am Arbeitsmarkt verschärft sich die Lage. Nach einer Analyse von EY gingen in der Industrie binnen eines Jahres 127300 Stellen verloren. Seit 2019 sind demnach 341500 Industriejobs weggefallen. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall warnt vor weiterem Stellenabbau und fordert Strukturreformen.
