Grenzen der Kunstfreiheit: Wo werden Klassiker zu Streitfällen?
Die Debatte um den Umgang mit älterer Kunst ist durch Wim Wenders Film Falsche Bewegung aus dem Jahr 1975 neu aufgekommen. In dem Film ist die damals 13 Jahre alte Nastassja Kinski mit nacktem Oberkörper zu sehen. Barbara Rohm, die Intimitätskoordinatorinnen für Film und Fernsehen ausbildet, hält eine solche Szene für nicht vertretbar und verweist auf mögliche Alternativen wie ein Körperdouble oder Filmschnitte.
Rohm sagt, bei der Bewertung alter Werke sollten auch die Entstehungsbedingungen und die Lage der Betroffenen berücksichtigt werden. Wenders hat den Film vorerst zurückgezogen und will sich mit Kinski einigen. Rohm hofft, dass die Szene entfernt wird.
Auch bei anderen Werken wird über veränderte Maßstäbe diskutiert, etwa bei Udo Lindenbergs Song Nina. Der Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich plädiert dafür, historische Originalversionen in Museen zu zeigen, sieht in anderen öffentlichen Kontexten aber auch Grenzen für das Recht auf eine Originalversion.
