Vertriebenentag in Tschechien: Erfolg der Zivilgesellschaft
Achtzig Jahre nach der Vertreibung der Sudetendeutschen hat der erste Sudetendeutsche Tag in Tschechien friedlich stattgefunden. Zwar hatte die Regierungskoalition in Prag die Veranstaltung zuvor verurteilt und zur Absage aufgerufen, doch die Treffen und die Proteste in Brno verliefen ohne Zwischenfälle.
Premier Andrej Babis warnte vor negativen Reaktionen in Teilen der Bevölkerung und rief zu einem friedlichen Verlauf auf. Der Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, verwies dagegen auf die breite Unterstützung durch proeuropäische und demokratische Kräfte in Tschechien. Auch Präsident Petr Pavel übernahm die Schirmherrschaft und betonte gemeinsam mit Bundespräsident Frank Walter Steinmeier die Bedeutung der Versöhnung.
Die Politikwissenschaftlerin Jana Urbanovska sieht in dem Treffen einen Erfolg der tschechischen Zivilgesellschaft. Zugleich zeigt eine Umfrage des Instituts Median, dass 57 Prozent der Befragten einen Sudetendeutschen Tag in ihrem Land ablehnten. Unter den Unter 50 Jährigen sprach sich jedoch die Mehrheit dafür aus.
