Für das Vaterland sterben: Propaganda an Russlands Schulen
In mehreren Schulen in Nowosibirsk ist ein Lehrbuch zum Thema Patriotismus verteilt worden, das Schülern zufolge von den Behörden eingeführt wurde. Darin werden Kinder dazu aufgefordert, bereit zu sein, für das Vaterland zu sterben. Homosexualität wird mit Pädophilie gleichgesetzt, Disney Zeichentrickfilme werden mit Pornografie verglichen, und Europäer werden als Diebe, Mörder und Lügner bezeichnet.
Das Buch ist als Grundlage für die sogenannten Gespräche über Wichtiges gedacht, eine 2022 eingeführte Reihe patriotischer Lektionen. Es gehört nicht zur offiziellen Schulliteratur, wurde an den örtlichen Schulen aber auf Initiative der Behörden von Nowosibirsk genutzt. Ein Schwerpunkt ist Russlands Krieg gegen die Ukraine, der darin als Befreiungskrieg dargestellt wird. Mehrfach heißt es, es sei ein Segen, für das Vaterland zu sterben.
Nach Angaben von Schülern geht die patriotische Erziehung an den Schulen über den Unterricht hinaus. Auch andere Fächer und Schulveranstaltungen griffen staatliche Propaganda auf. Einige Schüler berichten zugleich, dass viele Mitschüler die Inhalte nicht ernst nähmen und sich von der offiziellen Linie distanzierten.
