Nach Lulas Sieg steht Brasilien vor einer Zerreißprobe
Nach dem Sieg von Luiz Inácio Lula da Silva in der Stichwahl steht Brasilien vor einer politischen Zuspitzung. Der linksgerichtete Ex Gewerkschafter lag 3,5 Prozentpunkte vor Flávio Bolsonaro, der das Ergebnis nicht akzeptiert und eine gerichtliche Anfechtung angekündigt hat. Bolsonaro kritisierte die kurzfristige Verlängerung der Öffnungszeit der Wahllokale und sprach von inakzeptablen Vorgängen.
Die Wahl war von chaotischen Zuständen geprägt, nachdem die Anordnung vielerorts erst nach Beginn der Auszählung eingetroffen war. Lula hatte die Verlängerung mit Problemen im öffentlichen Nahverkehr begründet, während Bolsonaro auf Regenfälle in für ihn wichtigen Regionen verwies. Auch das Wahlgericht und der Oberste Gerichtshof stehen wegen ihres Umgangs mit den Anträgen in der Kritik.
Nach Lulas Sieg droht ein Machtkampf mit dem Bolsonaro Lager im Kongress. Lula will über digitale Kommunikation mehr Druck aufbauen, während aus seinem Umfeld rechtliche Schritte gegen Verantwortliche gefordert werden. Zugleich verschärfen Lulas Drohungen gegen Bolsonaro das ohnehin angespannte politische Klima.
