Warum Schweden seine Gefangenen in Estland unterbringt
Schweden bringt wegen knapper Haftplätze einen Teil seiner Gefangenen in Estland unter. Die ersten Häftlinge sind bereits in Tartu angekommen, weitere sollen folgen. Hintergrund sind steigende Inhaftierungszahlen, verschärfte Strafen und ein hoher Druck auf die schwedischen Gefängnisse. Seit 2015 hat sich die Zahl der Insassen in Schweden auf rund 9000 fast verdoppelt.
Der Vertrag mit Estland wurde Anfang Juni von den Justizministern beider Länder unterzeichnet. In Tartu sollen künftig zwei Drittel der Zellen mit Häftlingen aus Schweden belegt werden. Ausgenommen sind Menschen aus dem Bereich der organisierten Kriminalität, Terroristen, radikalisierte Personen und Frauen. Schweden zahlt für den Deal bei voller Auslastung etwas mehr als 60 Millionen Euro pro Jahr. Kritik gibt es vor allem an der Verlegung und daran, dass Besuche für Angehörige schwierig und teuer werden.
