Grenzgang sorgt für Wirbel: Blackfacing in Hessen, wenn ein Brauchtum aus der Zeit fällt
Beim Grenzgang in Biedenkopf sorgt eine schwarz geschminkte Figur erneut für Kritik. Der jahrhundertealte Brauch findet alle sieben Jahre in der hessischen Kleinstadt statt, im Mittelpunkt steht dabei eine Figur mit einer heute als rassistisch geltenden Bezeichnung.
Trotz wiederholter Kritik durch studentische Gruppen, den Ausländerbeirat in Marburg und die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland bleibt die Darstellung Teil des Festes. Ein weißer Mann verkörpert die Figur in schwarzer Schminke, Uniform und mit Säbel. Fachleute ordnen Blackfacing als rassistisch und verletzend ein, weil dabei Menschen mit anderer Hautfarbe karikiert würden.
Der Grenzgang geht auf Grenzstreitigkeiten im Mittelalter zurück. Regelmäßige Grenzbegehungen wurden 1682 angeordnet, im 19. Jahrhundert entwickelte sich daraus ein dreitägiges Fest. Wann die umstrittene Figur hinzukam, ist nicht eindeutig belegt, erstmals wurde sie wohl 1809 vermerkt.
